Die stabile Karriere ohne den sauren Beigeschmack der Anbiederung, eine besondere Liebe mit den pragmatischen Vorgaben der modernen Beziehungstragik und der Mut zur charismatischen Präsenz. Das Leben des Schriftstellers Benjamin Sachs erweist sich aus der Sicht seines Freundes und Kollegen Peter Aaron als reflektiertes Dasein eines ehrlichen Bohèmien.
Doch er ist tot, hat sich Ende Juni 1990 am Straßenrand in Nord-Wisconsin in die Luft gejagt. Nichts ist von ihm übrig geblieben außer ein paar verstreuten Körperteilen und einem Stück Papier mit Aarons Telefonnummer in New York City. Von nun an steht dieser unter Zeitdruck: Zwei FBI-Agenten verhören ihn in seiner Hütte in den Bergen Vermonts; er lügt sie an und beginnt kurz darauf, die Geschichte von Sachs, und damit auch seine eigene, niederzuschreiben.
Der arbeitsame Sachs war aus Protest gegen den Vietnamkrieg im Gefängnis, hatte dort das Manuskript seines ersten Romans The New Colossus zu Papier gebracht und sich damit nach seiner Entlassung einen Namen in der amerikanischen Literaturszene gemacht. Er führte mit der Museumskuratorin Fanny eine nach außen hin gesunde Ehe, die selbst eine kurze Affäre mit Aaron nicht erschüttern konnte.
Der Beginn der Ära Reagan und ein selbst verschuldeter Sturz aus dem vierten Stock am amerikanischen Unabhängigkeitstag 1986 verändert jedoch Sachs’ Einstellung zu seiner Arbeit. In der Folge drängt er auf Agitation – ohne noch genau zu wissen, auf welche. Langsam verlässt er seine Frau, Freunde und New York, und zieht sich aufs Land zurück. Nach einem zunächst erfolgreichen Versuch, einen neuen Roman namens Leviathan zu schreiben, verirrt er sich in den Wäldern Vermonts und wird in einer surrealen Begegnung zum Mörder. Die anschließenden Verwicklungen und eine Reise durch das Vereinigte Hinterland der reaktionären 80er Jahre schicken ihn auf einen persönlichen Kreuzzug der Reue und gegen die grassierende Gleichgültigkeit der Moderne.
Der große Detektiv Auster stellt seinem Publikum mit seinem Alter Ego Aaron einen Vermittler zur Seite, der die Indizien zwar erzählt, sie ihm aber nicht aufzwingt. Anders als in den Kurzgeschichten der New York Trilogy unterlässt er dieses Mal auch die zahlreichen Metaerzählungen und dynamischen Verschiebungen zwischen Autor, Leser und Text. Allein der Titel dient über die literarische Produktion von Sachs, Aaron und Auster gleichzeitig als Blaupause und dominierende Metapher. Leviathan – die Freiheit im Fegefeuer.

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